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Eine mutmachende Regnose!?

Was die Corona-Krise an positiven Dingen bewirkt!
Eine mutmachende Regnose!?
Eine mutmachende Regnose!?
© unsplash: Lina Trochez

Die Tage ist mir ein Textbeitrag des Zukunftsforschers & Publizisten Matthias Horx über den Weg gelaufen: „48 - Die Welt nach Corona“ (https://www.horx.com/48-die-welt-nach-corona/) lautet der auf den ersten Blick recht nüchterne Titel des Essays.

Da mein Onkel besagten Artikel jedoch in unserer Familien-WhatsApp-Gruppe geteilt hatte, war ich dennoch neugierig geworden und stürzte mich auf die schwarzen Lettern.

Meine Zurückhaltung hinsichtlich des Lesens ward nur von kurzer Dauer, fesselte mich der Inhalt und die einleitende Frage nach dem Zeitpunkt des Endes der Corona-Krise, die dem Autor gestellt worden war.

Die ernüchternde Antwort seitens Horx: „Niemals!“ - Ich wurde stutzig.

Der Zukunftsforscher begründet dies wie folgt: die aktuelle Lage sorge (gezwungenermaßen) für einen gesellschaftlichen Wandel, einen Prozess, der noch lange Zeit anhalte und fortdaure.

So führt er seine Begründung in Form einer „Re-Gnose“ weiter aus.

Kurz zur Erläuterung: eine Regnose fordert - im Vergleich zur Prognose - einen Rückblick aus der Zukunft in die Vergangenheit. Während wir, wenn wir eine Prognose treffen, auf der Grundlage momentaner „Tatsachen“, d.h. Zahlen & Fakten in die Zukunft schauen und bspw. wirtschaftliche & klimatische Zustände prognostizieren, fragt sich die Regnose, wie der zukünftige Blick auf die Vergangenheit aussehe.

Ein Beispiel, welches er skizziert: Wir befinden uns im Herbst 2020. Ein Eiscafé an einem belebten Platz. Menschen sind unterwegs, Kinder toben herum. Es ist gutes Wetter. Wie werden wir, wenn wir dort säßen, auf die Vergangenheit, also die jetzige Situation zurückschauen? Wie werden wir die jetzigen Tage aus zukünftiger Sicht einschätzen? Wertvoll oder überflüssig? Vertane oder gewonnene Zeit? ...

Horx Resultat ist beachtlich: er ist davon überzeugt, dass wir merken werden, dass der uns als Verlust erscheinende momentane Verzicht sozialer Kontakte & Bedürfnisse, freizeit-licher Betätigungen, ja menschlicher Bedürfnisse überhaupt keinen tatsächlichen Verlust sondern einen Gewinn darstelle.

Einen Gewinn tieferer oder wieder aufkeimender Kontakte & Begegnungen, seien diese auch nur virtuell oder gar mit sich selbst. Dem eigenen Ich. Der eigenen - so nenne ich sie mal - inneren Mitte. Den eigenen Bedürfnissen, den man sich wieder klar werden könne, wenn ein scheinbares „Nichts“ aufleuchte. Er stellt den Vergleich des Heilfastens an, nach dessen Durchführung „gewöhnliche“ Gerichte & Mahlzeiten wieder so himmlisch schmeckten, als hätte man sie noch nie gegessen und würde sie ganz neu für sich entdecken.

Wir haben die Chance, und dem stimme ich zu, uns Fragen zu stellen, die wir uns sonst vor lauter Geschäftigkeit nicht stellen können oder wollen, denen wir lieber - bewusst oder unbewusst - aus dem Weg gehen!

Dieses „Wer bin ich - und was brauche ich eigentlich zum Leben!?“ soll natürlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Krise bspw. sehr viele Jobs fordern und auch Menschen vereinsamen lassen wird; doch bietet sie - und da hat Horx m. M. n. absolut recht - eine ungeahnte Chance und kraftvolle Möglichkeit, sich und sein Umfeld ganz neu zu entdecken.

Eine wirkliche Fasten- und (nach)österliche Zeit eben!

 

Johannes Siebenmorgen,

Jugendbildungsreferent in der Jugendkirche CROSSOVER